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A. Köstner hört auf



Die Arme vor der Brust verschränkt, intensiv das Spiel beobachtend, die Lippen mitunter zusammengekniffen, kurze und präzise Anweisungen an seine Spieler rufend. So kennt man ihn beim TV Erkheim (TVE). Die Rede ist von Andreas Köstner, der am Samstag gegen den TSV Bobingen nach über 500 Pflichtspielen als Trainer sein letztes Spiel von der Seitenlinie aus coacht.

Er beendet nach sieben Jahren seine Trainertätigkeit nicht nur beim TVE, sondern schließt generell mit dieser Übungsleitertätigkeit ab. Das Spiel gegen Bobingen werde für ihn auch noch aus einem anderen Grund „sehr emotional“, denn mit ihm beende Fabian Krogler seine Spielerlaufbahn, der ihn fast elf Jahre als Trainer, darunter knapp vier Jahre beim FC Memmingen (FCM), habe „ertragen“ müssen. Das Fußballspielen erlernte der Memminger als Sechsjähriger unter anderem mit den späteren FCM-Spielern Robert Manz und Thomas Reinhardt auf einem 200 Meter von seinem Elternhaus entfernten Bolzplatz. Ab der E-Jugend durchlief er dann alle Jugendmannschaften beim FCM (siehe unten). Durch eine schwere Verletzung im zweiten B-Jugendjahr, einen Bruch des Sprunggelenks, des Schien- und Wadenbeins, verlor er ein komplettes Jahr in der A-Jugend. Köstners Spielposition lag im Defensivbereich. Als Highlight nennt er ein A-Jugendspiel gegen den FC Bayern München mit den Spielern Markus Babbel, Didi Hamann und Christian Nerlinger sowie Hermann Gerland als Trainer. Neben vier Meisterschaften sei das Pokalspiel mit Tannheim gegen den damaligen Zweitligisten VfR Aalen ein weiterer Höhepunkt als Spieler gewesen, sagt Köstner.

Als er vor zwanzig Jahren mit seiner Trainertätigkeit beim FCM (siehe unten) begann, erwarb er in Oberhaching die Jugendausbildungslizenz. Als Stärke bezeichnet Köstner seine akribische Vorbereitung auf den Gegner, die helfe, ihn einzuschätzen und zu schlagen. Er habe deshalb Videoanalyse betrieben, den Gegner im Vorhinein beobachtet und mit anderen Trainern kommuniziert. Stolz ist Köstner darauf, dass er als Trainer in Memmingen zur Förderung von Spielern beigetragen habe, die heute als Profi spielen, wie Stefan Schimmer (Heidenheim), Vinko Sapina (Dynamo Dresden) oder Jannik Rochelt (Arminia Bielefeld). Besondere Spiele für ihn als Trainer waren das A-Junioren-Freundschaftsspiel des FCM gegen den deutschen Meister FSV Mainz mit Trainer Thomas Tuchel und als Co-Trainer das erfolgreiche Relegationsspiel des FCM gegen den TSV Rain um den Klassenerhalt in der Regionalliga.

In der langen Corona-Saison 2019/21 sei er mit dem klaren Ziel aufzusteigen nach Erkheim gekommen, da er vom Potenzial der Mannschaft überzeugt war. Es sei eine „komische Zeit mit übertriebenen Regelungen“ gewesen. Man habe Bälle desinfizieren und im Training einen Abstand von eineinhalb Metern halten müssen, blickt Köstner zurück. Es herrschte Ungewissheit, wann man wieder spielen konnte. Der TVE schloss mit dem zweiten Platz in der Bezirksliga ab, die Aufstiegsrelegation entfiel. Es bedürfe an ein, zwei Rädchen zu drehen, um in der Saison 2021/22 den Direktaufstieg zu schaffen, dachte Köstner. Frühzeitig reichte er bei seinem Arbeitgeber den Sommerurlaub ein, um dann am Saisonende nach erneutem zweiten Tabellenplatz festzustellen, dass die Spiele der zweiten Relegationsrunde in den gebuchten Urlaub fielen. Das Hinspiel gegen Bad Heilbrunn (3:0) verfolgte er deshalb über das Internet am Laptop, wobei er ständig telefonisch mit Abteilungsleiter Maximilian Seitz in Verbindung stand. Zum Rückspiel in Bad Heilbrunn reiste er am Morgen um sechs Uhr von seinem 600 km entfernt liegenden Urlaubsort in Italien ab, um live dabei zu sein. Die Erleichterung und Freude nach dem 2:0-Sieg seien groß gewesen, da er damit als Trainer seinen ersten Aufstieg geschafft habe, so Köstner.

Dieser Aufstieg und den TVE drei Jahre in der Landesliga zu betreuen, gehören mit zu seinen schönsten Trainerzeiten. Beim TVE habe er sich stets wohl gefühlt, da der Verein sehr menschlich sei und die Verantwortlichen immer offen und ehrlich auftreten. Die Spieler, die er kennenlernte, hätten alle einen „tollen Charakter“. Mit Köstner habe der TVE den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte erlangt, so Abteilungsleiter Thomas Lukasch. Persönlich wolle er sich für die immer konstruktive und offene Zusammenarbeit bedanken. Durch das gute Zusammenspiel sei in den letzten Jahren eine sehr gute Freundschaft entstanden. Köstner will sich nun intensiver seinen Hobbys wie Reisen, Darts, Tennis und Radfahren widmen. Auch auf dem Erkheimer Sportgelände wird man ihn weiterhin finden, allerdings nicht an der Seitenlinie, sondern auf dem Spielfeld mit der AH.

Stationen als Spieler

von der E- bis zur A-Jugend beim FCM
drei Jahre überwiegend Zweite Mannschaft FCM in der damaligen Bezirksoberliga
vier Jahre SV Tannheim in der württembergischen Landesliga
zwei Jahre FCM II in der damaligen Bezirksoberliga
ein Jahr SV Tannheim in der württembergischen Landesliga
vier Jahre ASV Fellheim in der damaligen Bezirksoberliga

Stationen als Trainer

2006 bis 2011 A-Junioren FCM
2011 bis 2013 TSV Babenhausen
2013 bis 2017 FCM II
2017/2018 Co-Trainer FCM I
2019 bis 2026 TV Erkheim

zu Erkheim.Digital - Karl Michl info@erkheim.digital


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